Stellungnahmen der FAMH

Solothurn, 3. Februar 2012  

Gemeinsame Stellungnahme SULM und FAMH betreffend Prüfungsordnung von Expertin für Zytodiagnostik, resp. Experte für Zytodiagnostik

 

Sehr geehrte Damen und Herren

 

Die SULM und die  FAMH wurden im Rahmen einer Vernehmlassung für eine Stellungnahme zum  Prüfungsreglement für Experten für Zytodiagnostik eingeladen und nehmen, wie weiter unten ausgeführt, folgendermassen Stellung.

 

Generell ist zu sagen, dass ein auf das BMA Studium aufbauendes und auf Expertenwissen in einem diagnostischen Fach beruhendes Curriculum, ein Novum wäre. Unseres Erachtens wird hierdurch ein Präjudiz geschaffen, welches früher oder später die Frage nach sich ziehen wird, ob es nicht auch Spezialisten für Bakteriologie, Virologie, Parasitologie, Mykologie, klinische Chemie, morphologische Hämatologie, Zytogenetik, Molekularbiologie, Immunhämatologie, Hämostase, Andrologie brauchen wird, insbesondere für einfache Fälle (= nicht pathologische Fälle). Auch bei diesen Fächern werden die Grundlagen in der Ausbildung BMA HF gelehrt und die spätere Berufserfahrung dient analog der Zytodiagnostik dazu, sich auf einem Gebiet zu spezialisieren.

 

Eine der Zytodiagnostik analoge Argumentation für die Schaffung eines eigenen Fachexperten (nicht eines Fach-und Führungsspezialisten) wäre für diese anderen im BMA HF Curriculum gelehrten Fächer genauso berechtigt. Die Einführung solcher zusätzlichen Experten passt möglicherweise in das Gefüge der Pathologie nicht aber in jenes der Labormedizin und wäre unseres Erachtens aus mehreren Perspektiven problematisch. Der Wert der Berufsausbildung würde bei  BMA HF, bei der HFP zur Expertin in biomedizinischer Analytik und
Labormanagement zu einer relativen Herabstufung führen und diese torpedieren. Dasselbe betrifft die Titelträger FAMH. Es mag sein, dass für das Fach der Pathologie diese Rechtfertigung gegeben ist. Für die Labormedizin ist sie es klar nicht. Aus diesem Grund ist die Schaffung eines solchen Experten für Zytodiagnostik, welche als Eintritt ins Fach lediglich die Ausbildung als BMA HF fordert, abzulehnen. Eine solche Entwicklung führt zur Fragmentierung einer sehr neuen Berufsgruppe, die erst kürzlich auf Tertiärniveau angehoben worden ist.

 

Die FAMH und die SULM lehnen deshalb die Voraussetzung einer alleinigen Vorbildung als BMA HF ab und fordern deshalb, auch andere Eintrittsvoraussetzungen als die BMA HF als Zulassung zur Ausbildung als Expertin für Zytodiagnostik anzuerkennen. Unseres Erachtens gehören hier die Abschlüsse als Biologielaborantin, ein Bachelor, Master oder Doktorat in Biologie obligat dazu. Gegebenenfalls kommen auch andere Fächer hierfür in Frage. 

 

Abschliessend muss festgehalten werden, dass die für technisches Personal in der Pathologie stattfindende Entwicklung für die Teilbereiche der Labormedizin abzulehnen ist. Es muss klar festgehalten werden, dass mit diesem Ausbildungstitel kein Präjudiz für allfällige Teilgebiete der Labormedizin geschaffen wird.   

 

Zum Reglement kann im Einzelnen folgendes festgehalten werden:  

ad 1.1   Die selbstständige Erstellung von negativen Zytologischen Untersuchungsergebnissen stellt aus Sicht der SULM eine spezielle Situation dar. Kann eine solche Person selbständig ein Institut zur Abgabe von negativen gynäkologischen Resultaten führen?  
Weiter ist für diese Aufgabe die kritische Würdigung der derzeitigen Untersuchungsmethode notwendig. Auch wenn heute die Morphologie eine grundlegende Diagnostik darstellt, könnte es sein, dass sich die Wissenschaft in 5-10 Jahren in dem Sinne wandelt, dass
molekularbiologische Untersuchungen (z.B. HPV)  und andere Verfahren zahlreiche morphologische Untersuchungen ersetzen.  Inwiefern eine solche Verschiebung des Probenaufkommens Konsequenzen für das angestrebte Berufsbild haben wird, wird in diesem
Dokument nicht ausreichend erörtert.
ad 3.3.1   Andere Eintrittsvoraussetzungen als die BMA HF als Zulassung zur Ausbildung als Expertin für Zytodiagnostik sind anzuerkennen. Unseres Erachtens gehören hier die Abschlüsse als Biologielaborantin, ein Bachelor, Master oder Doktorat in Biologie obligat dazu. Gegebenenfalls kommen auch andere Fächer hierfür in Frage. 
ad 6   Die BMA-Prüfung kann nur einmalig wiederholt werden. Eine zweimalige Wiederholungsmöglichkeit, wovon lediglich die nicht bestandenen Teile wiederholt werden widerspricht dieser Praxis und ist zu grosszügig.
ad 6.5.2  

Es ist zu klären, wie oft Wiederholungsprüfungen letztendlich angeboten werden. Insofern diese zusammen mit den wiederkehrenden regulären Prüfungen erfolgen, ist die vorgeschlagene Praxis wenig zielführend.
Generell ist die Möglichkeit von Teilprüfungen in Frage zu stellen. Dies würde erlauben, dass jemand ohne das Beherrschen der Gesamtheit der Inhalte jemals zu einem einzigen Zeitpunkt bewiesen zu haben, mit Erteilung eines in Teilprüfungen erlangten Diploms zur selbständigen Beurteilung zugelassen ist. Dies ist aus Qualitätsgründen -die Kompetenz zur selbständigen Ausübung kann mit dem vorgeschlagenen Prozedere der Teilprüfungen nicht nachgewiesen werden- abzulehnen. Falls dennoch am Konzept der Teilprüfungen festgehalten werden soll, müssten weitere Präzisierungen gemacht werden, wann die Wiederholungsprüfungen effektiv stattfinden. Insofern einzelne Prüfungsteile wiederholt werden könnten, müsste sich das Reglement auch darüber äussern, ob bestimmte Massnahmen beispielsweise (spezielle zusätzliche Praktika) durch die Prüfungskommission als Bedingung für eine erneute Prüfung von der Studierenden verlangt werden können.

ad 7   Wie ist die Expertin für Zytogenetikdiagnostik mit eidgenössischem Diplom in der europäischen (Eurokompatibilität) eingebettet? Gibt es hierzu eine eurokompatible Ausbildung in den umliegenden Staaten: Deutschland, Frankreich, Österreich oder Italien?
ad 7.2
Aus dem Prüfungsreglement geht nicht hervor, dass ein Fortbildungszwang in Zusammenhang mit der Expertin für Zytodiagnostik einhergeht. Moderne Berufsgattungen kennen dies nur im Zusammenhang mit einer kontinuierlichen Fortbildungspflicht. Wir möchten daran erinnern, dass es immer mehr Berufswiedereinsteiger geben wird. Bei einem Beruf, der die selbständige Ausübung im medizinischen Kontext zulässt, bei der die Wissenschaft einen starken und ständigen Veränderungsprozess zur Folge hat, ist eine kontinuierliche Fortbildung unerlässlich. Ein entsprechendes Fortbildungsreglement müsste unbedingt erlassen werden, sofern dieses Diplom angeboten wird. Die Kontrollorgane für diese Fortbildung sind ebenfalls klar zu definieren. Ein entsprechender Verweis müsste in diesem Prüfungsreglement aufgeführt werden.


Zusammenfassung:
Ein wesentlicher Teil der angeeigneten Fachkompetenz der Zytodiagnostikerin wird primär durch  Erfahrungswissen vermittelt. Das Vernehmlassungsverfahren betreffend Expertin für Zytodiagnostik resp. Experte für Zytogdiagnostik schafft ein Präjudiz für die  Spezialisierungsrichtungen in der Labormedizin und birgt die Gefahr, dass eine Fragmentierung des BMA Berufbildes initiiert wird, die durch die geschaffenen Voraussetzungen nicht mehr eingegrenzt werden kann. Ein Grossteil der Auszubildenden hat bereits zwei abgeschlossene Berufsbildungen. Die Finanzierung einer Dritten Ausbildung wird nur schwer umsetzbar sein. Eine Gleichbehandlung über das ganze Berufsbild der BMA ist unbedingt beizubehalten. Ein exklusiver Zugang zum Curriculum über das Studium BMA HF ist deshalb abzulehnen. Personen mit anderen Vorbildungen im Bereich der Biologie (Biologielaborantin, Bachelor, Master, Doktorat)  und Humanen Wissenschaften sind ebenfalls zu zulassen.  


Mit freundlichen Grüssen

Signé
Dr. med. Hans H. Siegrist
Präsident FAMH

gez.
Marianne Amiet
Generalsekretärin FAMH